Die zweite Etappe von der Kemptner zur Memminger Hütte

Wir haben uns für den zweiten Tag auf einen zeitigen Start verabredet. Ab fünf Uhr morgens wird es auf den Hütten durch früh aufbrechende Tourengeher schon unruhig.

 

Wir stehen auf, packen, prüfen unsere Ausrüstung, trinken eine schnelle Tasse Kaffee, steigen in die noch vom Vortag nassen Schuhe und schon um sieben Uhr früh gehen wir vor den größeren Gruppen los. 

Vorbei an einem flachen Bergtümpel queren wir das Hochplateau und  schon nach kurzer Zeit geht es über einen steinigen Geröllpfad in Richtung Mädelejoch knackig nach oben. 

Morgens um halb acht überschreiten wir auf ca. 2000 Meter die Grenze nach Österreich. Nun geht es eine ganze Zeit  bergab bis zu unserer ersten Raststation "Roßgumpenalpe".

 

Wir sind wohl die ersten Gäste des Tages und werden freundlich von einer jungen, tibetisch-asiatisch anmutenden Frau mit Käse- und Speckbrot und Getränken versorgt. 

Nach dem steilen Abstieg entscheiden wir uns zunächst für den Fahrweg und folgen auf schmalem Pfad der Felswand entlang der Höhenbachtalschlucht. Wir gehen einen kleinen Umweg mit Anstieg um über die Holzgauer Hängebrücke ins Lechtal abzusteigen.

Ab der imposanten Hängebrückegeht es auf einem Fahrweg zusammen mit vielen Feriengästen in Richtung Holzgau im Lechtal.  Kaum sind wir im Ort angekommen, sehen wir schon das private Kleinbus-Taxi, welches die E5-Wanderer in Richtung Madau-Tal bringt.

Wir sind gut im Zeitplan und wollen eigentlich mit dem öffentlichen Bus fahren.


Die geschäftstüchtige Fahrerin des privaten E5-Taxi ist jedoch überzeugend und wir steigen für 18 Euro pro Nase in den vollbesetzten Sprinter-Bus.

Nur wenige E5-Wanderer gehen zu Fuß durch das Madautal, sind es doch rund 10 Kilometer auf einer Teerstraße bis zum Anstieg zur Memminger Hütte bei deren Materialseilbahn.

Wir entschließen uns für einen Zwischenweg und lassen uns an der Abzweigung zum Bergasthaus Madau absetzen, machen eine kurze Rast und füllen unsere Wasservorräte für den bevorstehenden Anstieg auf.

Über einen Wiesenpfad erreichen wir wieder den Fahrweg, der kurze Zeit später schon schmaler und ohne Belag wieder mehr einem Wanderweg entspricht. Wir werden immer wieder von den gut besetzten und sportlich fahrenden E5-Taxi-Bussen überholt.

Gegen 13 Uhr erreichen wir auf ca. 1.300 Meter die Talstation der Materialseilbahn zur Memminger Hütte.
Wir überlegen kurz, bleiben uns aber treu und tragen weiter tapfer unsere Rucksäcke. 


Ich denke darüber nach, das hier oben robuste Autos erforderlich und nützlich sind, Doch was machen SUV-Exemplare der XL-Größe dann eigentlich in der Stadt?

Wir queren den Parseierbach, sehen die Stütze der Materialseilbahn in großer Höhe und haben deutlich Respekt vor diesem Anstieg.

Im steilen zick-zack-Kurs führt der Weg über Felsentreppen, grobe Steine und durch hohe, feuchte Vegetation nach oben. Mal überholen wir Wanderer und mal werden wir von zumeist wesentlich jüngeren Tourengeher überholt.

Wir gewinnen schnell an Höhe und gegen 14:30 Uhr sind wir schon wieder oberhalb der Baumgrenze und queren mehrfach einen Gebirgsbach, der von einem beeindruckendem Wasserfall gespeist wird.

Auch wenn es zunehmend anstrengend wird und wir die heute zurückgelegte Strecke körperlich spüren, kann ich mich von den immer wieder neuen Blickwinkeln nicht satt sehen und mache ein Foto nach dem anderen.

Der Weg scheint kein Ende zu nehmen und man hofft, das nach dem nächsten Felsvorsprung das Tagesziel in Sicht ist. Doch es dauert noch bis ca. 16 Uhr bis wir abgekämpft und immer noch gut gelaunt auf der Memminger Hütte eintreffen.


Unser Tag

Nach dem ersten, doch ziemlich nassen Tag, waren wir heute weiter gut gelaunt und motiviert unser gestecktes Ziel der Alpenüberquerung zu erreichen.
Sind auf dem E5 durchaus viele Wanderer und geführte Gruppen unterwegs, so ist das am zweiten Tag bereits schon weniger sichtbar. Oft sieht man in der Ferne nur bunte Punkte, die einem zeigen, das man auf dem richtigen Weg ist.

Für unser kleines 3er-Team ist es aber auch eine gewisse Sicherheit bei der Streckenführung und hoffentlich nicht eintretenden Notfällen.

 

Auch stellen wir fest, das man den in vielen Beschreibungen verwendeten Begriff "Fernwanderweg" durchaus falsch interpretieren kann. Es ist kein Bergsteigen mit "Seil und Haken", dennoch sollte man auf jeden Fall trittsicher und schwindelfrei sein, eine gute körperliche Grundkondition haben und Erfahrung in den Bergen mitbringen.


Unsere Komoot-Navigation hat für diesen Tag aufgezeichnet:

Strecke: 17,6 km
Aufstieg: 1.140 Höhenmeter
Abstieg:  970 Höhenmeter